Kreativstipendium auf A’ Cràpa Mangia: Erfahrungsbericht des Künstlers Peter Buchholz
Wie wird aus einer kreativen Auszeit ein künstlerisches Konzept und aus einer Idee eine neue Künstlergruppe? Für Peter Buchholz, Geologe, Künstler und Initiator der Neo-Affichisten, war das Kreativstipendium auf A’ Cràpa Mangia ein wichtiger Ausgangspunkt. Im März 2024 verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau vier Wochen auf dem Landgut. Die Zeit nutzte er nicht nur für seine eigene künstlerische Arbeit, sondern vor allem für Recherche und die Entwicklung eines Konzepts, aus dem schließlich die Künstlergruppe Die Neo-Affichisten hervorging.
Im Dezember 2026 wird die Gruppe ihre Arbeiten in der Kunststation Kleinsassen präsentieren. Wir haben mit Peter Buchholz über seine Arbeit, die Entstehung der Gruppe und die besondere Rolle gesprochen, die A’ Cràpa Mangia dabei gespielt hat.
Peter, erzähl uns von dir und deiner Arbeit.
Ich bin Geologe und Künstler. Als Geologe faszinieren mich Materialien und Farben. Zur Kunst mit Plakaten bin ich eher durch Zufall gekommen.
2002 zogen meine Frau und ich mit meiner Familie von Afrika nach Berlin. Wir lebten in einem typischen Berliner Altbau mit Berliner Zimmer und waren fasziniert von der Lebendigkeit und den bunten Plakaten der Berliner Kulturszene. Eines Tages entschloss ich mich, ein solches Plakat abzureißen und an die Wand unseres Berliner Zimmers zu hängen.
Beim Reinigen des Plakats lösten sich Papierfetzen und plötzlich kamen immer wieder überraschende und spannende Details aus tieferen Schichten zum Vorschein. Als Geologe, der sich ohnehin mit Schichten beschäftigt, hat mich das sofort fasziniert. Ich begann, in den Schichten alter Plakatierungen spannende Strukturen freizulegen. Gleichzeitig erzählen diese Schichten vom Wandel der Zeit und vom urbanen Raum. So habe ich mein künstlerisches Thema gefunden.
Wie bist du auf A’ Cràpa Mangia aufmerksam geworden?
Wir haben damals im Internet nach einem Ort gesucht, der bestimmte Kriterien erfüllt: schöne Strände, mit dem Flugzeug von Berlin gut erreichbar, weniger als zwei Stunden Fahrtzeit zur Unterkunft, und gleichzeitig in der Nähe einer Metropole mit vielfältigem Kulturangebot. Zudem legten wir großen Wert auf eine wirklich schöne Unterkunft.
Für meine Arbeit eignet sich ein Ort am Meer außerdem ganz besonders. Um die Schichten mit dem Cutter freizulegen, müssen die Plakate eingeweicht und anschließend wieder getrocknet werden. Bei Sonne und einer leichten Brise geht das besonders schnell. A’ Cràpa Mangia ist dafür ideal. Ein Ort in der Sonne, umgeben von Natur und mit einem Blick aufs Meer.
Das erste Plakat habe ich 2007 erstellt, A’ Cràpa Mangia habe ich etwa 2009 zum ersten Mal besucht. Seitdem ist der Ort für meine Frau und mich immer ein Sehnsuchtsort geblieben, und für mich ist es außerdem ein wundervolles Freiluftatelier.
Wie hast du vom Kreativstipendium erfahren?
Durch die gute Seele des Anwesens, Lucia, und den Newsletter. Ehrlich gesagt hatte ich damals als Künstler zunächst das Gefühl, dass ich als Autodidakt noch nicht so weit für ein Stipendium sei. Aber durch die ersten Erfahrungsberichte im Newsletter erkannte ich: Das könnte auch etwas für mich sein. Denn das Stipendium bietet Raum, dass sich Ideen entwickeln dürfen.
Die Technik des veränderten Plakatabrisses geht ursprünglich auf die Affichisten der 1950er und 60er Jahre zurück. Der letzte Künstler dieser Gruppe starb 2022. Damals dachte ich: Es kann doch nicht sein, dass ich der einzige Verrückte bin, der sich noch mit diesem Medium beschäftigt. Ich fand den Gedanken spannend, dass diese Kunstrichtung nicht aussterben sollte, sondern mit einer neuen Generation von Künstlern weiterentwickelt werden könnte.
So entstand die Idee, eine Künstlergruppe zu gründen. Das Angebot von A’ Cràpa Mangia für ein Kreativstipendium erreichte mich wenig später und kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe mich im Herbst 2023 beworben und im März 2024 gemeinsam mit meiner Frau das Kreativstipendium auf A’ Cràpa Mangia verbracht.
Was hast du während dieser Zeit auf A’ Cràpa Mangia gemacht?
Ich habe das Stipendium vor allem genutzt, um ein Konzept dafür zu entwickeln, wie man einen neuen Kunststil positionieren, weitere Künstler*innen identifizieren und eine neue Künstlergruppe aufbauen könnte. Ich wollte Künstler*innen finden, die die Arbeit der Affichisten bereits weiterentwickelt haben.
Die vier Wochen waren deshalb eine Kombination aus Recherche, konzeptioneller Arbeit und der Umsetzung meiner eigenen Kunst. Ich konnte mich konzentriert und in Ruhe mit der Idee beschäftigen und gleichzeitig die Natur, die Erholung und das kulturelle Angebot der Umgebung genießen. Auch meine Frau hat mich künstlerisch inspiriert. Diese Verbindung war für mich eine wahnsinnig wichtige Stütze und Hilfe.
Wie sah ein typischer Arbeitstag aus?
Den Vormittag habe ich vor allem dafür genutzt, aus den Plakaten Kunstwerke zu schaffen und die Sonne für die Trocknung zu nutzen. Nachmittags habe ich dann eher recherchiert und am Konzept gearbeitet. Dazwischen gab es Pausen für Besorgungen, einen Ausflug oder Kaffee und Kuchen mit meiner Frau.
Wir haben im Apartment Arco gewohnt. Durch die großen Bogenfenster konnten wir auch bei schlechtem Wetter das Meer und die Naturgewalt von Gewittern und Stürmen gemütlich von innen beobachten. Gerade der März ist eine gute Zeit, um das Naturerlebnis draußen wie drinnen zu genießen.
Warum würdest du A’ Cràpa Mangia für einen Kreativaufenthalt empfehlen?
Das Landgut ist wahnsinnig liebevoll bis ins Detail restauriert worden. Die antiken Fliesen, die Steinbauweise und die vielen kleinen Details verleihen ihm einen wunderschönen Charme.
Auch die Zimmer sind gut ausgestattet, sodass man sich wunderbar selbst versorgen kann. Und dann ist da das Team, das so sympathisch ist und versucht, einem jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Auch das ist ziemlich einzigartig.
Ganz besonders ist natürlich auch die Lage. A’ Cràpa Mangia ist in die Natur integriert und liegt auf einem Felsvorsprung, von dem aus man die ganze Bucht überblickt. Man hat den Blick auf die alte Stadt von Castellabate und bis nach Capri und an die Amalfiküste. Am Nachmittag über die von der Sonne erwärmten Sandsteinplatten zu laufen, ist einfach ein wunderschönes Gefühl.
Was ist für dich das Besondere am Kreativstipendium?
Dass es Menschen die Möglichkeit gibt, einfach eine Idee umzusetzen. Für mich war das genau das Richtige. Ich konnte einen Ort für Recherche und konzeptionelle Entwicklung nutzen und gleichzeitig meine eigene Kunst weiterentwickeln.
Und wie ging es nach dem Stipendium weiter?
Im Sommer 2025 bin ich auf die Künstler*innen zugegangen, die ich für die Idee gewinnen wollte. Im September haben wir uns mit den acht Künstler*innen zum ersten Mal online getroffen. Alle waren von der Idee begeistert, eine Künstlergruppe zu gründen.
Die besondere Herausforderung und zugleich das Ziel der Gruppe ist die Frage, wie wir den neuen Stil, den wir aus der Kunst der Affichisten heraus entwickelt haben, in der Kunstgeschichte positionieren können. Unsere Vision ist, die Kunst der Affichisten mit unseren Arbeiten in eine neue Ära zu überführen und daraus einen neuen Stil innerhalb dieser Kunstrichtung zu entwickeln.
Aktuelle Ausstellung
Vom 13. Dezember 2026 bis zum 21. Februar 2027 zeigt die Kunststation Kleinsassen die Ausstellung „Nächste Generation. Die Neo-Affichisten“. Unter dem Untertitel „Décollagen zwischen Malerei und Plastik“ präsentiert die Ausstellung unterschiedliche Positionen der 2025 in Berlin gegründeten Künstlergruppe. Ausgehend von den Spuren und Schichten urbaner Plakate entstehen Werke zwischen Collage, Malerei, Objekt, Relief und Plastik.











